Santander Vermoegensverwaltungsfonds Kapitalprotekt Substanz (vormals SEB)

Die SEB Investment GmbH, Frankfurt, hat mitgeteilt, dass die Rücknahme von Anteilen an dem Santander Vermögensverwaltungfonds Kapitalprotekt Substanz, Kapitalprotekt und Total Return (WKN SEB1AM/ISIN DE000SEB1AM4 Anteilklasse P, WKN SEB1AN/ISIN DE000SEB1AN2 Anteilklasse I, WKN SEB1AA/ISIN DE000SEB1AA9(Anteilklasse P), WKN SEB1AD/ISIN DE000SEB1AD3 (Anteilklasse I)) durch die Fondsgesellschaft endgültig ausgesetzt wird. Die Verwaltung des Sondervermögens wird durch die SEB Investment GmbH mit Wirkung zum 30.6.2017 gekündigt. Das Verfahren zur Auflösung sieht vor, den Erlös aus der Veräußerung von Vermögenswerten des Sondervermögens abzüglich der Kosten an die Anleger zu verteilen, teilt die SEB mit. Die Zahlungen sind unter anderem abhängig davon, welche Beträge die ebenfalls in Abwicklung befindlichen Zielfonds, zum Beispiel SEB Immoinvest, CS Euroreal, AXA Immoselect oder KanAm Grundinvest an den Santander Vermögensverwaltungfonds ausschätten.

Viele Anleger überlegen jetzt, ob sie abwarten oder selbst aktiv werden sollen.
Für geschädigte Anleger bestehen sehr gute Chancen, ihre Investition im Wege des Schadenersatzes zurückzuhalten.

Drei Ansatzpunkte möchten wir dabei hervorheben:

Den Kunden wurden in vielen Fällen Anteile an dem SEB Vermögensverwaltungfonds Kapitalprotekt noch zu einem Zeitpunkt verkauft, zu dem Zielfonds, in die der Fonds investiert war, bereits geschlossen waren. Wurde hierauf bei der Beratung nicht hingewiesen, liegt ein eklatanter Beratungsfehler vor, der geeignet ist, eine Schadensersatzverpflichtung zu begründen.

Darüber hinaus hat der Bundesgerichtshof in einer Entscheidung vom 27.4.2014 (XI ZR 477/12), die jetzt vollständig vorliegt, entschieden, dass Berater ungefragt über das Risiko der Aussetzung der Rücknahme aufklären mußten. Dies wurde zuvor von einigen Oberlandesgerichten noch anders gesehen. Die Entscheidung des BGH erging zwar konkret zu einem offenen Immobilenfonds, den die Commerzbank dem Anleger empfohlen hatte. Demgegenüber ist der SEB Vermögensverwaltungsfonds Kapitalprotekt ein sog. Mischfonds. Allerdings bestand das Risiko der Aussetzung der Rücknahme aufgrund der Vorschrift des § 37 InvG in Verbindung mit den Vertragsbedingungen hier genauso – wie die Nachbetrachtung dann auch gezeigt hat. Zudem war der Dachfonds ausweislich der Quartalsberichte zu etwa drei Vierteln in offenen Immobilienfonds investiert. Geschädigte Anleger sollten deshalb nicht zögern und sich unbedingt auf die Entscheidung des Bundesgerichtshofs berufen.

Der dritte Ansatzpunkt für einen Schadensersatzanspruch liegt in einem unterlassenen Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte. Der Bundesgerichtshof hat in seiner bekannten Rechtsprechung zu den Rückvergütungen stets betont, dass es sich bei dem Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte um einen allgemeinen zivilrechtlichen Grundsatz handelt. Wird dagegen verstoßen, führt dies zu Schadensersatzansprüchen und der Anleger kann im Ergebnis seinen Schaden ersetzt verlangen.

Der Interessenkonflikt der SEB/Santander besteht in folgendem:

Die SEB hat mit vermögenden Anlegern ab einem Anlagevolumen von ca. 100000,- € regelmäßig einen speziell auf den Vermögensverwaltungsfonds Kapitalprotekt zugeschnittenen Vermögensverwaltungsvertrag abgeschlossen. Dadurch hatte die SEB nicht nur die anfängliche Verpflichtung, eine anleger- und objektgerechte Beratung vorzunehmen, sondern sie war gegenüber diesen Kunden zudem verpflichtet, die Anlage laufend zu beobachten und ggf. zu handeln – oder zumindest Warnhinweise zu geben. Da es sich bei dem SEB Vermögensverwaltungsfonds um einen “hauseigenen” Fonds handelte, war dadurch ein elementarer Interessenkonflikt vorprogrammiert.

Auch die Anleger, die vor dem 5.8.2009 gekauft haben und für die deshalb grundsätzlich die dreijährige Verjährungsfrist des § 37a WpHG zu beachten ist, sollten sich dieses Argument zu Nutze machen. Denn § 37a WpHG gilt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs nicht bei Vorsatz.

Im Übrigen bestehen in diesen Fällen regelmäßig auch weitere rechtliche Ansätze für eine Schadensersatzhaftung.

Fakt ist, dass die Vermögensverwaltung nicht reagiert hat, als die Ende 2008 begonnene Krise der offenen Immobilienfonds bei zahlreichen Fonds zur Aussetzung der Anteilsrücknahme geführt hatte. Selbst als ab Herbst 2010 die ersten Fonds liquidiert wurden, reagierte die Santander Vermögensverwaltung nicht.

Dabei dürfte klar sein, dass durch die Aussetzung der Anteilsrücknahme in einer Reihe von Zielfonds das Ausfallrisiko auch für Inhaber des Vermögensverwaltungsfonds gestiegen ist. Mit Beginn der Liquidation einzelner Zielinvestments sind Verlustrisiken für die Inhaber des Vermögens Verwaltungsfonds entstanden. Derartige Verlustrisiken sind mit einer sicherheitsorientierten Anlage nicht vereinbar. Im Rahmen eines Vermögensverwaltungsvertrages hätte für die Santander Bank/SEB die Verpflichtung bestanden, aus dem Dachfonds auszusteigen. Selbst wenn man annehmen wollte, dass das Ermessen der Santander/SEB noch nicht reduziert war auf die Vornahme des Ausstiegs aus dem Dachfonds, hätte zumindest ein Hinweis an die Anleger erfolgen müssen auf die entstandene Problematik und die daraus folgenden Risiken und die Unvereinbarkeit mit einer sicherheitsorientierten Anlage. Dies erfolgte lange Zeit nicht; erst im Jahresabschlussbericht 2011 – nach Schließung des Santander Vermögensverwaltungsfonds Kapitalprotekt Substanz – wurden die Kunden informiert über die Lage in den Zielfonds, die die Rücknahme der Anteile ausgesetzt hatten und dass die Abwicklung einiger konkreter Zielfonds droht. Das reicht nicht.

Die Kanzlei Dr. Ingo Gasser hat bereits Anleger des Santander Vermögensverwaltungsfonds Kapitalprotekt in gerichtlichen Verfahren erfolgreich vertreten und vertritt weitere geschädigte Anleger in gerichtlichen und außergerichtlichen Verfahren.