VW Abgasskandal EA 288 – Razzia der Staatsanwaltschaft

VW kann den Abgasskandal nicht abschütteln. Am 3. Dezember 2019 ließ die Staatsanwaltschaft Braunschweig die Geschäftsräume der VW-Zentrale in Wolfsburg durchsuchen. Das Augenmerk der Ermittler gilt dabei dem Dieselmotor des Typs EA 288.

Der Dieselmotor EA 288 ist ein Nachfolgeaggregat des als Schummeldiesel bekannt gewordenen Motors EA 189. VW hatte immer wieder betont, dass beim Motor EA 288 mit der Abgasnorm Euro 6 keine unzulässige Abschalteinrichtung verwendet werde. Verdachtsmomente gab es trotzdem immer wieder.

So gab es einen Rückruf für den VW Bulli T6 mit diesem Motor. Das Kraftfahrt-Bundesamt sprach hier von einer Konformitätsabweichung und verlangte ein Software-Update. Zuletzt sorgten Recherchen des SWR für Aufsehen, nach denen auch beim EA 288 eine unzulässige Abschalteinrichtung im Einsatz sein könnte. Der Sender bezog sich dabei auf interne VW-Dokumente. Demnach werde eine Software verwendet, die erkennt, ob sich das Fahrzeug im Prüfzyklus befindet. Dann werde eine ausreichende Menge des zur Abgasreinigung notwendigen AdBlue eingespritzt. Im realen Straßenverkehr werde die Zufuhr aber reduziert, so dass es zu einem erhöhten Ausstoß von Abgasen kommt.

VW hat den Vorwurf einer Zykluserkennung und unzulässigen Abschalteinrichtung zurückgewiesen. „Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat jetzt dennoch eine Razzia durchführen lassen. Der Verdacht einer unzulässigen Abschalteinrichtung erhält dadurch zumindest neue Nahrung“, sagt Rechtsanwalt Dr. Ingo Gasser.

Sollte sich der Verdacht am Ende bestätigen, würde der Abgasskandal eine ganz neue Dimension erreichen. Denn der Motor des Typs wird nicht nur in zahlreichen Modellen von VW verwendet, sondern auch bei Modellen der Konzerntöchter Audi, Seat und Skoda.

Erste Gerichtsverfahren wegen einer unzulässigen Abschalteinrichtung beim EA 288 laufen bereits. So lässt das Landgericht Wuppertal beispielsweise ein Sachverständigengutachten einholen.

Der Abgasskandal um den Vorgängermotor EA 189 hat gezeigt, dass gute Chancen bestehen, Schadensersatzansprüche gegen VW durchzusetzen. „Weitet sich der Dieselskandal jetzt aus, dürfte das bei Fahrzeugen mit dem Motor EA 288 nicht anders sein“, so Rechtsanwalt Dr. Gasser, Kooperationspartner der IG Dieselskandal.

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